Zeer Cabinet 2.0: Stromlos kühlen mit Terrakotta im urbanen Küchenschrank

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Zeer Cabinet 2.0: Stromlos kühlen mit Terrakotta

Zeer Cabinet 2.0: Stromlos kühlen mit Terrakotta im urbanen Küchenschrank

Warum muss jedes Gemüse in den Kühlschrank? In vielen Stadtwohnungen fehlt die Speisekammer – dabei lässt sich ein Teil der Vorräte stromlos frisch halten. Der ‘Zeer Cabinet 2.0’ überträgt das Prinzip der Verdunstungskühlung in einen modernen Küchenschrank aus Terrakotta und Holz. Das spart Energie, schont Aromen und schafft Platz im Kühlschrank für wirklich Kühlschrank-pflichtige Lebensmittel.

Was ist ein Zeer Cabinet – und warum funktioniert er?

Ein Zeer ist traditionell ein Tontopf-im-Tontopf, dessen Zwischenraum mit feuchtem Sand gefüllt ist. Verdunstet das Wasser, entsteht Verdunstungskälte. Übertragen auf die Wohnung entsteht daraus ein Keramik-Schrankmodul mit feuchter Außenhaut: Luft strömt an der Oberfläche vorbei, Wasser verdunstet, die Innenkammer kühlt sich ab. Bei trockener Umgebungsluft sind 8–12 °C Temperaturdifferenz zur Raumluft möglich; bei höherer Luftfeuchte sinkt der Effekt, bleibt aber nützlich für temperatursensible, aber nicht kühlschrankpflichtige Lebensmittel.

Kernwissen in 3 Punkten

  • Physik: Verdunstung entzieht der Keramik Wärme; je trockener und bewegter die Luft, desto stärker die Kühlung.
  • Material: Offenporige Terrakotta mit Kapillarstruktur saugt Wasser nach – ohne Pumpe.
  • Lebensmittelkunde: Viele Vorräte (Wurzelgemüse, Zwiebeln, Äpfel, Hartkäse) bleiben bei 10–16 °C aromatischer als im Kühlschrank.

Aufbau des Zeer Cabinet 2.0

  • Außenmantel: 8–12 mm Terrakotta-Hülle mit kapillaraktiver Glasur (diffusionsoffen), austauschbare Dochtbänder aus Leinen.
  • Feuchtepuffer: Kapillarvlies (Hanf/Leinen) mit 0,8 l Wasseraufnahme pro m²; optional Zugabe von Meersalz für hygroskopische Dämpfung.
  • Innenkorpus: Geöltes Massivholz (Erle/Buche), schwalbenschwanz-belüftete Einlegeböden gegen Kondenswasserkontakt.
  • Luftführung: Oben/unten Lamellen für Kamineffekt; optional ein 5-V-Leise-Lüfter (USB-C) für schwüle Tage.
  • Filter: Aktivkohle- und Zeolith-Kartusche gegen Ethylen und Gerüche (wechselbar).
  • Wasserreservoir: 1,2–1,5 l mit kapillarer Nachspeisung, Skala und Überlaufstopp.

Leistung & Grenzen realistisch einschätzen

Die erreichbare Kühlung hängt vom Unterschied zwischen Trockentemperatur und Feuchttemperatur der Raumluft ab. Praxisnahe Richtwerte:

  • Trockene Sommerluft (26 °C, 35–45 % r. F.): Innen 14–18 °C.
  • Übergangszeit (22 °C, 50–60 % r. F.): Innen 16–19 °C.
  • Schwül (28 °C, ≥70 % r. F.): 2–4 °C Kühlhub – Ventilation hilft, Wunder nicht erwarten.

Wichtig: Kein Ersatz für einen Kühlschrank, sondern Ergänzung für geeignete Vorräte. In sehr feuchten Küchen: Lüftung aktivieren und Dochte häufiger trocknen.

Integration in Küche & Essbereich

  • Unterschrank-Modul 60 cm: Passt in Standard-Küchenraster, Front aus Terrakotta-Lamellen.
  • Frei stehende Speise-Stele: 160–190 cm hoch, Lagerung nach Zonen (oben trockener, unten kühler).
  • Fensternische: Maximiert Luftstrom; Nord-/Ostlage bevorzugt.
  • Design: Von naturbelassenem Ton bis zu pigmentierter Kalklasur; Griffleisten aus Holz oder Leinen-Schlaufen.

Lebensmittel-Guide: Was gehört hinein?

Lebensmittel Idealbereich Hinweise
Wurzelgemüse (Karotten, Rote Bete) 10–14 °C, 90 % r. F. In gelochten Kisten; Sandbett verlängert Frische.
Kartoffeln 7–12 °C, dunkel Lichtschutz gegen Solanin; nicht neben Äpfeln lagern.
Zwiebeln & Knoblauch 12–18 °C, trocken Separate, gut belüftete Schublade.
Äpfel & Birnen 8–12 °C Ethylenabgabe: getrennt von Blattgemüse.
Hartkäse 12–16 °C Atmende Verpackung (Leinen, Wachstuch).
Kräuter im Topf 14–18 °C, hohe r. F. Untersetzer, direkte Nässe vermeiden.

Fallstudie: 60-cm-Zeer-Schrank in einer Berliner Altbauküche

  • Raumklima Sommer: 26–28 °C, 45–55 % r. F.; Innenwerte 15–18 °C (ohne Lüfter), 14–16 °C (mit Lüfter, 0,4 W).
  • Einsparung: Kühlschrank höher auf 7 °C gestellt, weniger Türöffnungen – subjektiv leiser und effizienter Betrieb.
  • Haltbarkeit: Karotten 10–14 Tage knackig, Äpfel 3–4 Wochen aromatisch, Zwiebeln trocken und fest.
  • Wartung: Wöchentlich 0,5–0,8 l Wasser nachfüllen; Dochte alle 6–8 Wochen waschen.

DIY: Bauanleitung für ein 60-cm-Modul

Materialliste

  1. Terrakotta-Paneele 600 × 740 × 10 mm (4 Stück, offenporig)
  2. Massivholzrahmen (Buche/Erle), Leim D3, Schrauben VA
  3. Kapillarvlies (Hanf/Leinen), 2 m² + Leinen-Dochte
  4. Wasserreservoir 1,5 l mit Schwimmer
  5. Aktivkohle-/Zeolith-Filtereinsatz
  6. Optional: 120-mm-Leiselüfter 5 V + USB-C-Netzteil
  7. Leinöl, Bienenwachs, Silikon (essigfrei) für Fugen

Schritt-für-Schritt

  1. Holzrahmen verschrauben, Rückwand mit Luftschlitzen aussteifen.
  2. Terrakotta-Paneele auf Gehrung setzen, Fugen dünn silikonieren (diffusionsoffen lassen!).
  3. Kapillarvlies an Außenhaut anlegen, Dochte ins Reservoir führen.
  4. Innenregale mit Ausfräsungen (Luft) einbauen; Oberflächen ölen.
  5. Luftlamellen oben/unten montieren; optional Lüfter mit Gummientkopplung einsetzen.
  6. Reservoir füllen, 30 min warten, bis die Außenhaut gleichmäßig feucht ist.

Bauzeit: ca. 5–6 Stunden • Materialkosten: ~ 220–380 € (ohne Lüfter).

Betrieb, Hygiene & Wartung

  • Wasser: Alle 3–7 Tage nachfüllen; in hartem Wasser gelegentlich mit Essig (1:10) entkalken.
  • Dochte/Vlies: Alle 6–8 Wochen waschen oder ersetzen; Schimmelbildung vorbeugen.
  • Luftführung: Oberen Spalt nicht verdecken; bei hoher Luftfeuchte Lüfter oder Fenster kippen.
  • Lebensmittel: In Körben/Schalen mit Abstand lagern; Ethylenquellen (Äpfel) getrennt.

Smart-Home-Extras (optional)

  • Sensorik: Temperatur- und Feuchtesensor (Bluetooth/Thread) innen und außen – zeigt Kühlleistung in Echtzeit.
  • Automatik: 5-V-Lüfter über Zeitschalt-USB oder Steckdose mit Matter schalten (z. B. bei r. F. > 60 %).
  • Benachrichtigung: Erinnerung zum Wasser nachfüllen, wenn die Außenhaut abtrocknet (ΔT fällt ab).

Ökologie, Kosten & Nutzen

Aspekt Beschreibung Praxisnutzen
Energie Passiv, optional Lüfter < 0,5 W 0 kWh Kühlstrom für geeignete Vorräte
Material Ton, Holz, Naturfasern Reparierbar, recyclingfreundlich
Lebensmittel Schonende Lagerung Weniger Wegwerfen, bessere Aromen
Gesundheit Kein Kälteschock für Kräuter, Käse Konsistenz & Geschmack bleiben erhalten
Kosten Einmalig 200–450 € Langfristig Einsparung durch weniger Verschwendung

Pro / Contra kurzgefasst

Pro Contra
Stromlos, leise, reparierbar Wirkung klimabhängig (Luftfeuchte)
Bessere Aromen bei Obst/Käse Nicht für Fleisch/Milchprodukte geeignet
Platz im Kühlschrank wird frei Regelmäßige Befeuchtung nötig
Natürliches Material, schönes Design Eigengewicht höher als bei Spanplatte

Varianten & Zukunft

  • Fassadenluft-Zeer: Luftansaugung aus kühler Nordfassade für mehr Kühlhub.
  • Keramik-Metamuster: 3-D-Rillen erhöhen Verdunstungsfläche um 30–40 %.
  • Salz-Phasenpuffer: Hydrate stabilisieren den Innenbereich nachts (geringer Tag-Nacht-Drift).
  • Modular: Schubfächer mit Mikroklima (trocken/feucht) per austauschbarer Einsätze.

Fazit: Ein Speiseschrank, der Klima kann

Der Zeer Cabinet 2.0 ist eine selten genutzte, aber hoch wirksame Ergänzung für Küchen, die nachhaltiger und leiser funktionieren sollen. Wer seine Vorräte sortiert – Kühlschrank für Kritisches, Terrakotta-Schrank für Robusthes – gewinnt Geschmack, Platz und Unabhängigkeit vom Stromnetz.

Call-to-Action: Starten Sie mit einem 60-cm-Einbaumodul oder testen Sie das Prinzip mit einer kleinen Terrakotta-Box auf dem Balkonfensterbrett. Messen Sie ΔT über eine Woche – die Ergebnisse überraschen.

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